Agri-Photovoltaik (Agri-PV) verbindet landwirtschaftliche Nutzung und Solarstromerzeugung auf derselben Fläche mit dem Ziel, die Flächenkonkurrenz zu reduzieren und die Bewirtschaftung weiter zu ermöglichen. Damit eine Agri-PV Anlage schnell und sicher errichtet werden kann, braucht es einen klaren Fahrplan. Dafür haben wir Ihnen den folgenden Projektablauf für privilegierte Agri-PV Vorhaben im Außenbereich zusammengestellt.
Phase 0: Prüfung des Status der Privilegierung der Agri-PV Anlage nach BauGB §35 Abs. 1 Nr. 8 oder Nr. 9
Als ersten Schritt bei der Planung einer Agri-PV Anlage gilt es zu klären, ob diese grundsätzlich privilegiert ist. Dann ist keine Bauleitplanung (Bebauungsplan) erforderlich, was das gesamte Projekt erheblich beschleunigen kann. Wichtig: Ein Bauantrag ist in der Regel trotzdem nötig!

Die beteiligten Akteure in dieser ersten Projektstufe sind Landwirt und Projektierer. Am Ende fällt die Entscheidung, ob ein Agri-PV Vorhaben als privilegiert eingestuft werden kann oder nicht. Falls dem nicht so ist, ist eine Bauleitplanung nötig. Bei privilegierten Anlagen ist ein vereinfachtes Verfahren möglich.
Phase 1: Standortanalyse & Wirtschaftlichkeitsprüfung für Agri-PV Projekte
Wird das Agri-PV Vorhaben als privilegiert eingestuft, folgt als nächster Schritt eine grundsätzliche Bewertung des potenziellen Standorts und die Entwicklung eines ersten belastbaren Konzepts. Dieser beinhaltet ein Groblayout und einer Wirtschaftlichkeitsabschätzung.
Inhalte des ersten Groblayouts einer Agri-PV Anlage:
- Flächeneignung (Topografie, Boden, Bewirtschaftung)
- Grobkonzept Agri-PV (hochaufgeständert / vertikal / Tracker)
- Ertrag & Wirtschaftlichkeit (EEG / PPA): Für privilegierte Projekte ist i.d.R. entweder der Eigenstromverbrauch oder eine EEG-Vergütung sinnvoll.
- Grobe Umwelt-Sensitivität (Schutzgebiete, Biotope, evtl. Leitarten)
Beteiligte Akteure in dieser Projektstufe:
- Landwirt
- Projektentwickler
- T.Werk kann hier bereits beratend hinzugezogen werden
Ergebnis dieses Projektschrittes ist die Herausarbeitung einer Vorzugsvariante für Agri-PV (Kategorie I – hochaufgeständert oder Kategorie II – bodennah) sowie ein erster Projektsteckbrief als Grundlage für den weiteren Projektablauf.
Phase 2: Abstimmung der Rahmenbedingungen für das Agri-PV Vorhaben
Jetzt werden die wichtigsten Rahmenbedingungen mit den zuständigen Stellen geklärt, bevor Zeit und Budget in die Detailplanung fließen. Dazu gehören Gespräche mit Landratsamt, Bauamt und Unterer Naturschutzbehörde sowie die frühzeitige Netzanfrage beim Netzbetreiber, um Genehmigungsweg, Prüfbedarf und Anschlussmöglichkeiten abzusichern. So lassen sich spätere Verzögerungen oft deutlich reduzieren.
Ziele:
- Privilegierung bestätigen (kann auch durch ABCert bestätigt bzw. untermauert werden)
- Umfang von Umweltprüfungen klären
- Genehmigungsweg festlegen (hängt von Privilegierung ab)
- Netzaussage erhalten, um weiter planen zu können
Beteiligte Akteure in dieser Projektstufe:
- Landratsamt (= Genehmigungsbehörde für privilegierte Vorhaben)
- Untere Naturschutzbehörde (UNB)
- Ggf. Bauamt
- Netzbetreiber

Phase 3: Umwelt & Naturschutz bei Agri-PV
Anschließend wird geprüft, welche artenschutzrechtlichen und naturschutzfachlichen Anforderungen für den Standort gelten und welche Gutachten dafür notwendig sind.
Umwelt- und Naturschutzrechtliche Prüfungen bei Agri-PV Vorhaben:
- Artenschutzrechtliche Vorprüfung (saP)
- Kartierungen (Brutvögel, Amphibien, Reptilien, Fledermäuse, Insekten, Zug- und Rastvögel – nicht alle zwingend notwendig!)
- Bauzeitenregelung
- Vermeidungs- und Verminderungsmaßnahmen
- Ggf. CEF-Maßnahmen
Phase 4: Technische und landwirtschaftliche Planung der Agri-PV
Jetzt wird das Agri-PV Projekt so ausgearbeitet, dass es genehmigungsreif wird. Unterkonstruktion, Modulbelegung und elektrische Komponenten werden geplant und zugleich die landwirtschaftliche Nutzung (z. B. Durchfahrten, Arbeitshöhen, Kulturen) im Nutzungskonzept nachgewiesen.
| Technische Planung: | Landwirtschaftliche Planung: |
| Unterkonstruktion (Höhe, Achsabstand, weitere Konfigurationen) | Bewirtschaftungsform (Ackerbau, Grünland, Sonderkulturen, Tierhaltung) |
| Module | Maschinendurchfahrten (Breite, Höhe) |
| Be- und Entwässerungskonzept | Ertragssicherung Landwirtschaft |
| Trafostation | |
| Wechselrichter | |
| Ggf. Speicher | |
Beteiligte Akteure in dieser Projektstufe:
- Projektierer mit Landwirt
- Baubehörde
- Landwirtschaftskammer
Ergebnis dieses Projektschrittes ist eine ausgearbeitete Entwurfs- und Genehmigungsplanung (für privilegierte Vorhaben ein Bauantrag inkl. landwirtschaftlichem Nutzungskonzept und Modulbelegungsplan)
Phase 5: Netzanfrage, Netzzusage und Erlösmodell für Agri-PV
Im nächsten Schritt werden die entscheidenden Weichen für Netzanschluss und Wirtschaftlichkeit gestellt. Von der Netzanfrage bis zur Netzzusage wird geklärt ob, und wenn ja in welcher Leistung, die Anlage überhaupt einspeisen kann. Gleichzeitig wird das passende Erlösmodell festgelegt, z.B. EEG-Vergütung, Direktvermarktung oder PPA. Gegebenenfalls wird auch die Finanzierung vorbereitet. So entsteht eine belastbare Grundlage für Bauantrag, Investitionsentscheidung und Zeitplan.
Phase 6: Genehmigung der Agri-PV Anlage
Anschließend werden alle technischen, landwirtschaftlichen und umweltfachlichen Unterlagen gebündelt und als vollständiger Bauantrag eingereicht, auch dann, wenn das Vorhaben privilegiert ist. Anschließend prüft die Behörde die Unterlagen und beteiligt je nach Projekt weitere Fachstellen, bis der Genehmigungsbescheid vorliegt.
Unterlagen für einen Agri-PV Bauantrag
- Lageplan
- Endgültiger Modulbelegungsplan
- Rammplan auf Grundlage der eingemessenen Fläche
- Bauzeichnungen (z.B. Systemquerschnitt)
- Technische Beschreibungen
- Umweltunterlagen
- Nachweis Privilegierung nach §35 BauGB
- Landwirtschaftliches Nutzungskonzept

Phase 7: Bauvorbereitung der Agri-PV
Liegt die Baugenehmigung vor, wird das Projekt organisatorisch und praktisch auf die Umsetzung vorbereitet. Dafür sind folgende Schritte nötig:
- Ausschreibung / Vergabe an EPC oder GU
- Bauzeitenplan (Artenschutz beachten), ggf. Ausgleichsmaßnahmen
- Baustelleneinrichtung
- Ökologische Baubegleitung aktivieren
Phase 8: Bau und Umsetzung der Agri-PV
Jetzt wird die Agri-PV Anlage vor Ort realisiert. Parallel dazu werden Auflagen aus Genehmigung und Naturschutz konsequent eingehalten und dokumentiert, um Verzögerungen zu vermeiden. Am Ende steht die technisch fertige Anlage als Grundlage für Abnahme und Inbetriebnahme.
Ablauf der Montage einer Agri-PV Anlage
- Bauvorbereitende Maßnahmen abschließen
- Vermessung
- Rammung
- Montage Unterkonstruktion
- Ggf. Be-/Entwässerung installieren
- Modulmontage
- Elektrik & Trafostation
- Netzanschluss
Phase 9: Abnahme & Inbetriebnahme der Agri-PV
Nach erfolgreicher Montage der Agri-PV wird die fertig errichtete Anlage technisch geprüft und offiziell an Netzbetreiber und Betreiber übergeben. Dazu gehören die Abnahmen durch Sachverständige und Netzbetreiber sowie die formale Inbetriebnahme inklusive der erforderlichen Meldungen (z. B. im Marktstammdatenregister). Erst danach kann die Agri-PV-Anlage regulär Strom erzeugen und vermarktet werden.
Phase 10: Betrieb & Monitoring
Jetzt läuft die Agri-PV Anlage im Regelbetrieb mit dauerhaft gesicherter landwirtschaftlicher Nutzung und zuverlässiger Stromproduktion. Durch Monitoring, Wartung und Dokumentation werden Erträge, Anlagenverfügbarkeit und die Einhaltung von Auflagen sowie Ausgleichsmaßnahmen kontinuierlich überprüft. So bleibt das Projekt langfristig wirtschaftlich für den Betrieb.
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