März 2, 2026

Agri-PV im Kostenvergleich: Stellungnahme des Verbands für nachhaltige Agri-PV (VnAP) e.V.

Agri-Photovoltaik (Agri-PV) verbindet zwei Ziele: Landwirtschaftliche Nutzung und Solarstromerzeugung auf derselben Fläche. Genau deshalb ist Agri-PV nicht nur Energie-, sondern auch Zukunftsthema für Betriebe, Regionen und die gesamte Energiewende.

In den letzten Wochen hat eine Studie des Thünen-Instituts (Datenbasis 2023) die Debatte neu entfacht: Demnach können die Stromgestehungskosten von Agri-PV teilweise höher liegen als bei klassischen PV-Freiflächenanlagen. Der Verband für nachhaltige Agri-PV (VnAP) widerspricht einer pauschalen Einordnung und liefert gute Gründe, warum eine reine Kostenbetrachtung zu kurz greift.

Agri-PV Kosten: Stromgestehungskosten von 5 bis 12 ct/kWh sind bereits wettbewerbsfähig
Ein zentraler Punkt der Stellungnahme des Verbands: Moderne Agri-PV-Systeme erzeugen Strom typischerweise für etwa 5 bis 12 ct/kWh. Damit liegen sie im Bereich anderer erneuerbarer Energien und deutlich unter den Kosten fossiler Kraftwerke.

Die großen Spannweiten in manchen Analysen entstehen laut Verband dadurch, dass in Studien häufig Forschungsanlagen oder hoch spezialisierte Sonderkultursysteme (mit kleinen Stückzahlen) enthalten sind. Diese weisen naturgemäß höhere Kosten aus. Kostengünstige Systemtypen wie zum Beispiel vertikal aufgeständerte Anlagen lassen sich dagegen schon heute wirtschaftlich betreiben. Zudem darf Agri-PV nicht auf den Strompreis reduziert werden. Der eigentliche Mehrwert entsteht durch Flächeneffizienz, Klimaanpassung, Netzdienlichkeit und regionale Wertschöpfung.

Flächeneffizienz: Energie und Lebensmittel auf derselben Fläche erzeugen
Deutschland verliert laut dem VnAP rund 55 Hektar Fläche pro Tag (z. B. durch Siedlung und Verkehr). Genau hier spielt Agri-PV ihre Stärke aus: Doppelnutzung statt Flächenkonkurrenz. Agri-PV ist dabei nicht „ein System“, sondern ein Baukasten aus Lösungen, je nach Standort, Kultur und Zielsetzung, z. B. vertikale Anlagen, hoch aufgeständerte Tracker oder geschlossene Systeme für Sonderkulturen.

Klimaanpassung in der Landwirtschaft: Schutz vor Hitze, Hagel und Trockenstress
Ein zweiter großer Vorteil ist die Resilienz: Agri-PV kann durch Verschattung, Wetterschutz und einen stabileren Wasserhaushalt landwirtschaftliche Risiken reduzieren. Der VnAP nennt unter anderem Hagelschutz, Hitzereduktion, geringere Verdunstung und ein verbessertes Mikroklima. Faktoren, die Erträge stabilisieren und Bewässerungsbedarf senken können. Gerade angesichts zunehmender Extremwetterlagen wird dieser Nutzen immer relevanter und ist ein entscheidender Unterschied zu klassischer Freiflächen-PV.

Netzdienliche Stromerzeugung: Mehr Strom dann, wenn er gebraucht wird
Agri-PV-Systeme, insbesondere mit Ost-West-Ausrichtung, können Strom stärker in nachfragestarken Zeiten liefern (morgens und abends) und damit potenziell das Netz entlasten. Das senkt tendenziell Systemkosten im Energiesystem, wird aber in reinen Stromgestehungskosten meist nicht mitgerechnet.

Regionale Wertschöpfung: Mehr Akzeptanz durch Beteiligung der Landwirte
Ein weiterer Punkt: Landwirtschaftliche Betriebe profitieren direkt durch zusätzliche, langfristig planbare Erlöse, Diversifizierung und eine Stärkung des ländlichen Raums. Das kann die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende erhöhen, weil Wertschöpfung sichtbar in der Region bleibt.

EEG-Mehrkosten: Im Verhältnis zum Nutzen sehr gering
Auch wenn Agri-PV im Durchschnitt teils höhere anzulegende Werte benötigen kann, ordnet der Verband die Folgen für die Förderung als überschaubar ein: Bei vollständiger Umsetzung des geplanten Ausschreibungsvolumens durch Agri-PV lägen die jährlichen Mehrkosten bei rund 89 Mio. Euro, das seien etwa 0,4 % des EEG-Budgets. Zum Vergleich wird der Ausbau neuer Gaskraftwerksleistung bis 2030 mit Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe gegenübergestellt.

Fazit: Agri-PV ist keine Nische, sondern eine strategische Zukunftstechnologie
Die Kernaussage des VnAP ist klar: Agri-PV ist wirtschaftlich darstellbar und gesellschaftlich sinnvoll, gerade weil sie mehrere Herausforderungen gleichzeitig adressiert: Flächenschonung, Klimaresilienz, netzdienliche Erzeugung und regionale Teilhabe. Gleichzeitig ist die Technologie jung; mit Markthochlauf, Standardisierung und Lerneffekten sind weitere Kostensenkungen plausibel.

T.Werk engagiert sich als Mitglied im Verband für nachhaltige Agri-PV
T.Werk unterstützt den Ausbau einer nachhaltigen Agri-PV, die Landwirtschaft und Energiewende vereint. T.Werk ist Mitglied im Verband für nachhaltige Agri-PV (VnAP) und bringt sich damit aktiv in den Dialog für praxistaugliche Standards, faire Rahmenbedingungen und eine verantwortungsvolle Marktentwicklung ein.

Wenn Sie Agri-PV als Chance für Ihren Betrieb oder Ihre Region prüfen möchten, sprechen Sie uns an. Wir teilen gern Erfahrungen, bewerten Anforderungen und zeigen, welche Systemansätze zu Ihren Zielen passen.

Die ausführliche Stellungnahme des VnAP finden Sie hier.

Paul Katterbe

Paul Katterbe

Paul ist seit vielen Jahren in der Landwirtschaftsbranche tätig und unterstützt unsere Partner bei der konzeptionellen Umsetzung der Agri-PV-Anlage.